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Radiosendung Antenne
Bayern
Der Drang ins Rampenlicht
Thomas Parrisius
Ulla Jürgensen
T:
Thema heute: Warum so viele versuchen über Castingshows
zu Superstars zu werden.
Geschäftsführerin einer Castingagentur, Frau Jürgensen,
hat es diesen Beruf vor 15 Jahren auch schon gegeben?
U: Ja mit Sicherheit,
Castingagenturen gibt es schon länger.
T: Sie haben viele
Menschen, die Sie betreuen. Bewerber, die sich bei Ihnen
nicht mehr in Karteikästen, sondern auf Festplatten
befinden. Wie viele sind das?
U: Es gibt eine große
Datenbank, die im Internet angelegt wurde. Wir haben verschiedene
Bewerbungsgruppen bundesweit - ca. 10.000 Bewerber
T: Die alles Mögliche
wollen? Vom Gesangsauftritt über Spielfilm bis zum
Kandidaten in einer Show - gemeinsam haben sie alle, dass
sie am Ende Gewinn erzielen wollen, oder?
U: Das ist richtig
oder sie wollen zum Film- da muss man unterscheiden. Es
gibt auch Profis, die dabei sind. Es gibt verschieden Sparten:
von Moderatoren, Nachwuchsmoderatoren und was für jeden
leicht zugängig ist, ist der Bereich Komparserie bei
Film und Fernseh
T: Einige Leute würden
gerne berühmt werden, weil sie gerne berühmt wären-
Die ehrlichen Musiker sind heutzutage nicht die Mehrheit
oder?
U: Der Traum ist natürlich
da, möglichst schnell Karriere zu machen, das hat ja
auch schon gut funktioniert.
Diesem Traum hängen viele, gerade auch Jugendliche,
nach.
Andere bemühen sich auch um eine Ausbildung z.B. im
Gesangsbereich-
Ich denke, man auch nur weiter, wenn man eine fundierte
Ausbildung hat, sprich Gesangsunterricht nimmt.
Der Traum, schnell nach oben zu gelangen ist natürlich
bei vielen da.
T: Ist die Auffälligkeit
einer Person ein wichtiges Kriterium für den Erfolg?
U: Also entscheidend
ist erstmal, dass sie gut singen können. Aber im Fall
von Daniel „Deutschland sucht den Superstar“
ist es natürlich auch gut jemanden in der Sendung zu
haben, der eine Show liefert und nach außen hin locker
auftritt. Ob er letztendlich dadurch große Karriere
machen kann, das steht noch in den Sternen.
T: Die Menschen, die
sich bei Ihnen bewerben, haben die eher so ein Profil, wie
Pausenclowns oder sind es eher die Insich- gekehrten, die
viel geübt haben und nun groß rauskommen möchten?
U: Auffällig
sind 2 unterschiedliche Gruppierungen: einerseits Leute,
die von sich behaupten „Ich bin ein interessanter
Typ!“ und diesen Typ auch gerne in den Medien „verkaufen“
möchten. Dann gibt es aber noch eine ganz große
andere Gruppe. Das sind diejenigen, die haben eigentlich
eine gute Berufsgrundlage, aber diese brauchen auch ihren
gewissen Kick. Sei es mal aus dem Alltag raus und Erfahrungen
sammeln im Fernsehen, sei es, dass man im Kollegenkreis
darüber spricht: “ich bin heute abend zu sehen.“
Man schaut sich gemeinsam die Sendung an oder die Leute
haben einfach Spaß, dabei zu sein. Casting ist ja
auch gesellig und man lernt Leute kennen.
T: Wie viele von 12.000
Bewerbern auf ihrer Festplatte sind denn Superstars?
U: Die müssen
noch zum Star gemacht werden!
T: Ist derjenige,
der bei „Superstars“ gewinnt, wirklich ein Superstar?
U: Für mich persönlich
ist der kein Superstar. Er wird für die Medien und
für die Bevölkerung zum Superstar gemacht.
T: Auf der anderen
Seite stehen 10.000 Menschen erstmal Schlange. Ist es leichter
oder schwerer geworden?
U: Es ist leichter
geworden.
R: Weil es dann doch
demokratisch ist?
U: Weil einfach mehr
Chancen da sind. Es werden mehr große Sendungen wie
Superstars und Popstars produziert. Es werden mehr Musikvideos
produziert. Das gab es früher nicht. Die Informationen
werden durch Medien und Internet schnell verbreitet.
R: Wie ist es denn
tatsächlich, wenn ich heut in einer Sendung gewinne-
werd ich dann tatsächlich reich oder bekomme ich eh
nichts, weil alles abgegeben muss durch Knebelverträge?
U: Man muss erstmal
sehen in welcher Sendung man gewinnt, wenn es in einer Quizshow
ist und man erhält einen hohen Gewinn, dann steht dieser
einem natürlich zu.
T: Ich meine in Castingsendungen.
U: Natürlich
ist die Vermarktung da, ein Vertag ist dahinter. Es werden
je nach dem Abzüge gemacht und letztendlich bleibt
natürlich auch dem Gewinner ein gewisser Anteil, aber
ein großer Teil wird auch abgeführt.
T: Wie ist das früher
gewesen? So nebenbei haben Sie ja auch gesagt - viele, die
sich nebenbei den Kick holen wollen und deswegen einmal
den Ausflug ins Rampenlicht machen wollen. Kann es so funktionieren?
Ist das üblich oder ist es dann eher etwas, was man
hauptberuflich macht.
U: Je nach dem: Moderation
macht man hauptberuflich, aber z. B. Komparsen oder Kleindarsteller,
das ist ein reiner Nebenberufsjob, das ist ein Ausflug in
die Medien und so verstehen das auch viele. Viele haben
ihren Beruf, finden es aber trotzdem gesellig oder sie brauchen
ihren Speed oder Kick um was Neues zu erleben und finden
es schön mal bei einer Fernsehsendung mit dabei zu
sein. Das alles zu erleben. Diese Glitzerwelt oder im Rampenlicht
zu stehen und nachher darüber zu reden und sich später
selbst im Fernseh zu sehen und zu sagen: „Da hab ich
mitgespielt!“
T: Und der Bedarf
ist steigend, stagnierend, sinkend?
U: Der Bedarf ist
steigend, zunehmend natürlich auch noch durch die Gerichtshows
in den letzten Jahren. Da vermehrt Kleindarsteller gesucht
werden. Das sind alles Laien, die eine Rolle spielen. Sie
spielen dabei meist sich selbst aus ihrem Background heraus,
aus ihren Erlebnissen. Da gibt es einen großen Bedarf.
Letztendlich haben sie aber auch etwas zu spielen, mit Text
vor der Kamera- nicht nur ein reiner Komparsenjob ohne Text.
Das ist für viele interessant.
T: Wie schaffen Sie
es, dass ihre Kandidaten auf dem Boden bleiben bzw. eine
ihrer Hauptaufgaben wird es sicher auch sein, erstmal alle
möglichen falschen Träume zu nehmen, oder?
U: Wir versprechen
grundsätzlich nicht das Blaue vom Himmel. Jeder, der
sich bei uns bewirbt, sollte sich entscheiden, was er gerne
machen möchte. Wir werden nicht sagen: wenn du als
Komparse anfängst, wirst du später die große
Schauspielkarriere machen.
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