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Gereon Nußbaum

Leiter und Dozent der Schauspielschule Arturo GmbH in Köln

CastingPartner:
Sie haben in Köln eine Schauspielschule gegründet mit einem neuen Schwerpunkt: Ausbildung im Medienbereich. Was unterscheidet Ihr Schauspielangebot von den klassischen Schauspielschulen?

Nußbaum:
Unser Ausbildungsgang zum "Medienschauspieler" beinhaltet eine Qualifizierung für die Bühne und die audio-visuellen Medien. Mit der Bezeichnung "Medienschauspieler" ist also gemeint, dass ein Schauspieler zur Zeit auf eine Arbeitswelt trifft, die davon bestimmt ist, dass seine Gagen zu ca. 80% vor Kamera und Mikrofon verdient werden.
Unsere Schauspielschüler finden ein Ausbildungsprogramm vor, das sie ab dem 3. Ausbildungsjahr in einer Reihe von Kameraseminaren auf die spezifische Arbeitssituation bei Film und Fernsehen vorbereitet.
Ebenfalls ab dem 3. Ausbildungsjahr wird in der Sprecherziehung lediglich noch an genreüblichen Texten für das Mikrofonsprechen gearbeitet.
Die "jungen Kollegen" verlassen die ARTURO SCHAUSPIELSCHULE dann mit einem Ausbildungsband - Video u. Audio.
Für die Bühne werden zu Vorsprechzwecken lediglich noch drei Monologe gearbeitet. Zu mehr haben die meisten Theaterentscheider heute meist ohnehin keine Zeit und es reicht auch vollkommen aus, um sich zu präsentieren.
Dafür legen wir einen Schwerpunkt auf dialogische Szenen im Rollenstudium.
Dann ist sicherlich die Größe und Ausstattung der Schule eine Besonderheit. Wir sind in den Tonstudios in der Lage, komplette Spielfilme zu synchronisieren, Hörspiele zu produzieren und auch Radiosendungen in einem Selbstfahrer - Moderationsstudio herzustellen.
DV-Kamera und Trainingsräume von über 1.000 qm Gesamtfläche, ausgestattet mit Holzschwingböden, Surround - Audio - Anlagen bilden einen Standard, der selbst bei staatlichen Hochschulen selten zu finden ist.
Ca. 45 Dozenten unterrichten 120 Schüler!

CastingPartner:

Seit wann existiert die Schauspielschule?

Nußbaum:
Die erste Ausbildungsklasse hatte ihren Unterricht im September 1997 begonnen.

CastingPartner:
Wird an Ihrer Schule ein Aufnahmetest durchgeführt? Wie sieht der Aufnahmetest aus? Was wird verlangt?

Nußbaum:
An der ARTURO werden vor Ausbildungsbeginn keine Vorsprechmonologe als Aufnahmeprüfung verlangt. Die Monologsituation ist eine, die in der Bühnenrealität vielleicht etwa 5% ausmacht. Vorsprechen (auch Castings) sind ein Massenabfertigungsverfahren für Entscheider, die nicht mehr Zeit haben oder sich nicht mehr Zeit nehmen wollen - oder so tun wollen, als hätten sie keine Zeit, und die dafür auch noch wenig Phantasie aufbringen, sich zu überlegen, wie man Eignungsprüfungen sinnvoller gestalten kann.
In der ARTURO SCHAUSPIELSCHULE wird vor Ausbildungsbeginn ein Probetraining angeboten, in dem die Bewerber Ausschnitte aus dem Unterrichtsprogramm der Schule im ersten Ausbildungsjahr erleben. Fünf Lehrer aus den Bereichen: Darstellung, Sprecherziehung/Stimmbildung und Bewegung/Tanz unterrichten dann zwei Wochenenden lang und erhalten so einen umfangreichen Eindruck von den "Möglichkeiten zum Schauspielen" bei den Bewerbern.
Die Trainingsteilnehmer können unter Arbeits- und nicht bloß Prüfungsbedingungen zeigen, was sie können und sich ein Bild von der Schule und ihren Lehrern machen. Verlangt sind weniger echte Fähigkeiten als eher die Möglichkeit zur Entwicklung von Fähigkeiten. Denn an der Schule soll ja erst gelernt werden, was der Beruf erfordert. Mitbringen sollte man jedoch: Neugier, Risikobereitschaft, Spiellust, Leidenschaftlichkeit. Ich könnte noch viele Qualitäten aufzählen, die uns in einem Probekurs interessieren. Sie alle dienen als Voraussetzung zur Schaffung einer künstlerischen Persönlichkeit.

Castingpartner:
Hat die Schule schon Erfolge zu verzeichnen?

Nußbaum:
Unsere Erfolge? Wir sind vom Berufsverband Deutscher Schauspieler - IDS als Modellschule ausgezeichnet worden. Wir sind als einzige Schauspielschule Mitglied im VFFV - dem Verband der Film-, Fernseh-, und Videowirtschaft in NRW.
Unsere Abgangschüler finden Arbeit beim Fernsehen und auf der Bühne. Diese Anfangserfolge dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Anstellungssituation für Berufsanfänger nie so problematisch war, wie das Verbleiben im Beruf, wenn man mit den Jahren das Rollenfach wechselt und der Gagenspiegel steigen müsste.

CastingPartner:
Was wird heute von Nachwuchsschaupielern verlangt?

Nußbaum:
Individualität im Darstellungsstil. Eine klar erkennbare Persönlichkeit ist gewünschter als hohe Wandelbarkeit. Die Anforderungen sind ansonsten je nach bevorzugtem Arbeitsfeld der "jungen Kollegen" verschieden. Ich würde einem "Medienschauspieler" mit auf den Weg geben, dass er seine Qualitäten erkennt und schult und Defizite und Versäumnisse aufholt, um erst einmal überhaupt in dieser schwierigen Arbeitmarktlage für Schauspieler überleben zu können.

CastingPartner:
Was können Sie den Leuten raten, die gerne Schauspieler/in werden möchten?

Nußbaum:
Wer Schauspieler werden möchte, sollte dies nicht in erster Linie aus Karrieregründen tun. Schauspiel ist eine Kunstform und für die geschaffen, die sich künstlerisch ausdrücken wollen.
Die Aussicht auf Geld und Ruhm ist klein und dennoch groß.
Die Liebe zur Kunst ist das Zentrum unseres Lernens.
Ich kann zu wenig raten, außer, sich Ernst zu nehmen und herauszufinden, welcher Ausbildungsweg einen wirklich glücklich machen könnte.


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