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Interview mit Marco Werner

Marco Werner, Cutter bei der nobeo GmbH, im Interview über den Beruf und seinen persönlichen Werdegang

CastingPartner: Den Beruf des Cutters bzw. Editors kann man auf mehreren Wegen ergreifen, so zum Beispiel über die Ausbildung zum Film- und Videoeditor. Daneben gibt es noch viele andere Wege sich zu qualifizieren, von dualen Ausbildungen, Berufsfachschulen, bis hin zu Studiengänge in fachverwandten Bereichen. Wie haben Sie damals Ihren Beruf erlernt?

M. Werner: Über Praktika in Medienunternehmen mit jeweils unterschiedlichem Schwerpunkt. Darunter waren dekabo video, serofilm (Industriefilme) und die nobeo GmbH (Postproduktion und Studioproduktion). Außerdem habe ich eine Ausbildung zum Mediengestalter in Bild und Ton absolviert, in deren Anschluss ich mich auf den Bereich Avid-Schnitt in Form eines Kurses an der Macromedia Akademie für neue Medien spezialisiert habe.

CastingPartner: Man sollte meinen, dass die Aufgaben des Cutters sich schon aus dem Namen ableiten. So einfach lässt sich Ihre Tätigkeit dann sicherlich doch nicht beschreiben. Was genau gehört alles dazu?

M. Werner:
Dies ist natürlich immer projektabhängig, allgemein gilt: Zuerst prüft man das angelieferte Roh- / Ausgangsmaterial und guckt was man daraus machen kann. Abhängig von der Größe, Technik und Auflesung legt man nun ein Projekt an. Der Schnitt erfolgt in Absprache oder im Beisein eines Redakteurs. Zu den Aufgaben während der Bearbeitung des Materials gehört es ebenfalls, die, aus dramaturgischer Sicht, richtige Musik auszuwählen und diese in den Beitrag einzubauen. Auch Spezial- und Soundeffekte oder Texte eines Off-Sprechers gehören dazu und wollen ebenfalls bearbeitet und eingebaut werden. Am Ende der Arbeit steht immer die redaktionelle Abnahme und danach die Senderabnahme. Dies passiert vor Ort am Schnittplatz, oder der Kunde bekommt einen Datenträger mit der Sendung und schickt seine Korrekturwünsche z.B. per E-Mail, die man dann berücksichtigen muss, so gut es Technik, Material, Zeit, Kosten etc. ermöglichen. Nach der Feinarbeit und der darauf folgenden Endabnahme, geht das Produkt zum Sender. Im Anschluss werden noch diverse Feinarbeiten gemacht und am Ende geht das.

CastingPartner: Der Großteil Ihrer Arbeit wird naturgemäß erst nach Drehschluss stattfinden. Was macht ein Cutter eigentlich während und vor allem vor einem Dreh?

M. Werner: Immer mal wieder wird der Cutter auch in die Drehplanung mit einbezogen. Das heißt man erläutert vor dem Produktionsbeginn was der Kunde in seinem Endprodukt gerne hätte bzw. wie dieses aussehen soll. Man stellt sich die Frage, ob und wie sich seine Wünsche umsetzen lassen und beschafft bspw. eventuell benötigte Technik um alle Wünsche des Kunden erfüllen zu können.

CastingPartner: Würden Sie die Tätigkeit eines Cutters eher als eine künstlerische oder eine vor allem durch technisches Interesse & Verständnis geprägte beschreiben?

M. Werner: Das hält sich doch sehr die Waage und ist auch sehr von den Projekten abhängig, die man bearbeitet. Um sich gestalterisch bzw. künstlerisch überhaupt ausleben zu können, müssen einem ja erstmal die Dinge bekannt sein, die überhaupt möglich sind und da setzt einem die Technik eben Grenzen. Da sie sich aber immer weiterentwickelt kommen immer neue Möglichkeiten der Gestaltung hinzu was Bild und Ton angeht. Die technische Seite ist in sofern wichtig und Grundlage für den Schnitt, als das man erstmal wissen muss, wie bediene ich meinen Schnittplatz, die Abhöre, den Vorschaumonitor, mein RTW, unterschiedliche Mazen die zum eindigitalisieren des Materials dienen.
Wenn es Probleme mit der Technik gibt ist es natürlich von Vorteil, wenn man als Cutter selbst die Fehlerquelle finden und beheben kann. Schnittschichten sind nicht billig und es ist daher sehr wichtig, ohne Hilfe eines Technikers selbstständig und schnell ein technisches Problem zu beheben und seine eigentliche Arbeit fortzuführen.
Der Schnitt als solches hat seinen Schwerpunkt definitiv im gestalterischen Bereich.
Drei Dinge spielen bei der Herangehensweise eine entscheidende Rolle:
Der Inhalt meines Beitrags bzw. Bildes, mit welcher Technik er erzeugt wurde und welche Wirkung ich beim Zuschauer erreichen will. Mit diesen Grundlagen arbeitet man dann Alfred Hitchcock bspw. hat in seinen Filmen oft so gearbeitet, dass er Dinge / Infos vorweg nahm und so über eine Erwartungshaltung des Zuschauers bzw. ein "Mehrwissen" des Zuschauers Spannung erzeugt – das ist eine Möglichkeit.
Man kann so eine Situation aber auch vollkommen anders umsetzen, indem man z.B. auf das Mehrwissen des Zuschauers verzichtet – und so eine vollkommen andere Wirkung einer Szene beim Betrachter hervorruft.

CastingPartner: Gerade in der Medienbranche bilden sich immer wieder neue Berufsbilder und bestehende verändern sich stetig. Auch das Berufsbild des Cutters ist davon nicht unberührt geblieben. Was genau ist anders geworden?

M. Werner: Die größte Veränderung ist wohl der Weg vom linearen Schnitt hin zum non-linearen. Früher musste man einen Schnitt an den nächsten setzen und hatte nicht die Möglichkeit, nachträglich noch etwas einzufügen. Man schnitt - wie früher mit dem Kassettenrekorder - von mehreren Bändern auf ein Band – Schnitt hinter Schnitt. Durch die rasante Weiterentwicklung der Computer fanden neue Schnittformen und Schnittplätze Einzug in die Fernsehwelt.
Heute haben wir auch die Möglichkeit non-linear zu schneiden. Das heißt, wir digitalisieren das Material von den Bändern erstmal ein und haben so die Möglichkeit, blitzschnell auf das komplette Material zuzugreifen, ganz ohne zeitaufwendiges Spulen. Außerdem können wir zu jedem Zeitpunkt an jeder Stelle unseres Projekts Veränderungen vornehmen, wie z.B. Material einfügen etc. Erst ganz am Ende, wenn der Beitrag fertig ist, wird dieser auf ein Band ausgespielt.

CastingPartner:
Haben es dadurch Berufsanfänger leichter, da Sie die Neuerungen von Anfang an lernen, im Gegensatz zu denen, die schon Jahre im Beruf arbeiten? Wie war für Sie diese Umstellung?

M. Werner: Das glaube ich nicht. Die Technik mit der ein Cutter arbeitet entwickelt sich sehr schnell weiter und man muss sich immer wieder in Form von Fortbildungen, Schulungen etc. auf den aktuellen Stand bringen. Ein Bsp. hierfür ist die Umstellung von SD auf HD.
Die bringt auch sehr viele Veränderungen im Bereich der Nachbearbeitung mit sich und als Cutter muss man sich dieses Wissen aneignen, um HD Projekte realisieren zu können.
Das heißt, jemand der heute den Beruf des Cutters lernt, wird schon während seiner Ausbildung mit dem Bereich HD vertraut werden, aber sobald z.B. 3D massentauglich wird, wird auch er sich weiterbilden müssen.

CastingPartner:
Was sollte man an Voraussetzungen für den Beruf mitbringen?
Und worauf müssen sich zukünftige Cutter bei der Berufsausübung einstellen?

M. Werner: Man sollte ein Interesse für Fernsehtechnik mitbringen, aber auch im gleichen Maße für Gestaltung. Und in beiden Bereichen lernfähig sein, sich schnell mit neuer Technik und neuer Software vertraut machen können.
Außerdem ausgeprägte kommunikative Eigenschaften, da man vor und währen der Nachbearbeitung immer wieder im Dialog mit dem Kunden, aber auch dem Sender steht.
Man sollte flexibel sein, was die Arbeitszeiten angeht.
Oft arbeitet man unter Zeitdruck, so dass sich Überstunden oft nicht vermeiden lassen.
Ein gewisses Rhythmusgefühl und Musikverständnis sollte ebenfalls vorhanden sein.

CastingPartner:
Welche beruflichen Weiter- und Aufstiegsmöglichkeiten gibt es. In welche Sparte beim Film kann ein Cutter mit seiner Ausbildung wechseln?

M. Werner:
Da bin ich leider überfragt. Ich selbst arbeite mit einem so genannten Avid Media Composer und mir ist bekannt, dass im Bereich Filmschnitt mit dem Avid Film Composer geschnitten wird. Das sind aber zwei ganz unterschiedliche Baustellen und es ist eher selten der Fall, dass jemand vom Fernsehschnitt/Videoschnitt zum Filmschnitt wechselt – bezogen auf den Beruf des Cutters.



Das Interview führte Kevin Goonewardena.


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