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Radiosendung von Antenne Bayern

Der Drang ins Rampenlicht

Ulla Jürgensen im Interview mit Thomas Parisius, Antenne Bayern

Parisius: Thema heute: Warum so viele versuchen über Castingshows zu Superstars zu werden.
Geschäftsführerin einer Castingagentur, Frau Jürgensen, hat es diesen Beruf vor 15 Jahren auch schon gegeben?

Jürgensen: Ja mit Sicherheit, Castingagenturen gibt es schon länger.

Parisius: Sie haben viele Menschen, die Sie betreuen. Bewerber, die sich bei Ihnen nicht mehr in Karteikästen, sondern auf Festplatten befinden. Wie viele sind das?

Jürgensen: Es gibt eine große Datenbank, die im Internet angelegt wurde. Wir haben verschiedene Bewerbungsgruppen bundesweit - ca. 10.000 Bewerber (Anm. Red.: Stand 2009 80.000 Bewerber)

Parisius: Die alles Mögliche wollen? Vom Gesangsauftritt über Spielfilm bis zum Kandidaten in einer Show - gemeinsam haben sie alle, dass sie am Ende Gewinn erzielen wollen, oder?

Jürgensen: Das ist richtig oder sie wollen zum Film- da muss man unterscheiden. Es gibt auch Profis, die dabei sind. Es gibt verschieden Sparten: von Moderatoren, Nachwuchsmoderatoren und was für jeden leicht zugängig ist, ist der Bereich Komparserie bei Film und Fernseh

Parisius: Einige Leute würden gerne berühmt werden, weil sie gerne berühmt wären- Die ehrlichen Musiker sind heutzutage nicht die Mehrheit oder?

Jürgensen: Der Traum ist natürlich da, möglichst schnell Karriere zu machen, das hat ja auch schon gut funktioniert.
Diesem Traum hängen viele, gerade auch Jugendliche, nach.
Andere bemühen sich auch um eine Ausbildung z.B. im Gesangsbereich-
Ich denke, man auch nur weiter, wenn man eine fundierte Ausbildung hat, sprich Gesangsunterricht nimmt.
Der Traum, schnell nach oben zu gelangen ist natürlich bei vielen da.

Parisius: Ist die Auffälligkeit einer Person ein wichtiges Kriterium für den Erfolg?

Jürgensen: Also entscheidend ist erstmal, dass sie gut singen können. Aber im Fall von Daniel „Deutschland sucht den Superstar“ ist es natürlich auch gut jemanden in der Sendung zu haben, der eine Show liefert und nach außen hin locker auftritt. Ob er letztendlich dadurch große Karriere machen kann, das steht noch in den Sternen.

Parisius: Die Menschen, die sich bei Ihnen bewerben, haben die eher so ein Profil, wie Pausenclowns oder sind es eher die Insich- gekehrten, die viel geübt haben und nun groß rauskommen möchten?

Jürgensen: Auffällig sind 2 unterschiedliche Gruppierungen: einerseits Leute, die von sich behaupten „Ich bin ein interessanter Typ!“ und diesen Typ auch gerne in den Medien „verkaufen“ möchten. Dann gibt es aber noch eine ganz große andere Gruppe. Das sind diejenigen, die haben eigentlich eine gute Berufsgrundlage, aber diese brauchen auch ihren gewissen Kick. Sei es mal aus dem Alltag raus und Erfahrungen sammeln im Fernsehen, sei es, dass man im Kollegenkreis darüber sprichParisius: “ich bin heute abend zu sehen.“ Man schaut sich gemeinsam die Sendung an oder die Leute haben einfach Spaß, dabei zu sein. Casting ist ja auch gesellig und man lernt Leute kennen.

Parisius: Wie viele von 12.000 Bewerbern auf ihrer Festplatte sind denn Superstars?

Jürgensen: Die müssen noch zum Star gemacht werden!

Parisius: Ist derjenige, der bei „Superstars“ gewinnt, wirklich ein Superstar?

Jürgensen: Für mich persönlich ist der kein Superstar. Er wird für die Medien und für die Bevölkerung zum Superstar gemacht. (Anm. Red. 2009: Ausnahmen bestimmen die Regel wie z.B. Paul Gant)

Parisius: Auf der anderen Seite stehen 10.000 Menschen erstmal Schlange. Ist es leichter oder schwerer geworden?

Jürgensen: Es ist leichter geworden.

Parisius: Weil es dann doch demokratisch ist?

Jürgensen
: Weil einfach mehr Chancen da sind, bei einem großen Casting dabei zu sein. Es werden mehr große Sendungen wie Superstars und Popstars produziert. Es werden mehr Musikvideos produziert. Das gab es früher nicht. Die Informationen werden durch Medien und Internet schnell verbreitet.

Parisius: Wie ist es denn tatsächlich, wenn ich heut in einer Sendung gewinne- werd ich dann tatsächlich reich oder bekomme ich eh nichts, weil alles abgegeben muss durch Knebelverträge?

Jürgensen: Man muss erstmal sehen in welcher Sendung man gewinnt, wenn es in einer Quizshow ist und man erhält einen hohen Gewinn, dann steht dieser einem natürlich zu.

Parisius: Ich meine in Castingsendungen.

Jürgensen: Natürlich ist die Vermarktung da, ein Vertag ist dahinter. Es werden je nach dem Abzüge gemacht und letztendlich bleibt natürlich auch dem Gewinner ein gewisser Anteil, aber ein großer Teil wird auch abgeführt.

Parisius: Wie ist das früher gewesen? So nebenbei haben Sie ja auch gesagt - viele, die sich nebenbei den Kick holen wollen und deswegen einmal den Ausflug ins Rampenlicht machen wollen. Kann es so funktionieren? Ist das üblich oder ist es dann eher etwas, was man hauptberuflich macht.

Jürgensen: Je nach dem: Moderation macht man hauptberuflich, aber z. B. Komparsen oder Kleindarsteller, das ist ein reiner Nebenberufsjob, das ist ein Ausflug in die Medien und so verstehen das auch viele. Viele haben ihren Beruf, finden es aber trotzdem gesellig oder sie brauchen ihren Speed oder Kick um was Neues zu erleben und finden es schön mal bei einer Fernsehsendung mit dabei zu sein. Das alles zu erleben. Diese Glitzerwelt oder im Rampenlicht zu stehen und nachher darüber zu reden und sich später selbst im Fernseh zu sehen und zu sagen: „Da hab ich mitgespielt!“

Parisius: Und der Bedarf ist steigend, stagnierend, sinkend?

Jürgensen: Der Bedarf ist steigend, zunehmend natürlich auch noch durch die Gerichtshows in den letzten Jahren. Da vermehrt Kleindarsteller gesucht werden. Das sind alles Laien, die eine Rolle spielen. Sie spielen dabei meist sich selbst aus ihrem Background heraus, aus ihren Erlebnissen. Da gibt es einen großen Bedarf. Letztendlich haben sie aber auch etwas zu spielen, mit Text vor der Kamera- nicht nur ein reiner Komparsenjob ohne Text. Das ist für viele interessant.

Parisius: Wie schaffen Sie es, dass ihre Kandidaten auf dem Boden bleiben bzw. eine ihrer Hauptaufgaben wird es sicher auch sein, erstmal alle möglichen falschen Träume zu nehmen, oder?

Jürgensen: Wir versprechen grundsätzlich nicht das Blaue vom Himmel. Jeder, der sich bei uns bewirbt, sollte sich entscheiden, was er gerne machen möchte. Wir werden nicht sagen: wenn du als Komparse anfängst, wirst du später die große Schauspielkarriere machen.

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